Kirche Bipp aktuell / Oktober / November 2026

Mein Lieblingsbaum, in dem sich das Licht des Sommers bricht
Manchen von euch wird es anders gehen, besonders nach der Trockenheit dieses Sommers. Ich selber habe manchmal etwas Mühe, den Sommer loszulassen. Ich mag das Licht, die Wärme und die langen Abende. Und wenn die Tage kürzer werden, würde ich den Sommer manchmal am liebsten noch ein wenig festhalten.
Doch jede Jahreszeit hat ihre eigene Schönheit. Im Sommer ist das Licht stark, klar und direkt. Im Herbst verändert es sich. Es ist fast, als würde das Licht des Sommers durch ein Prisma gebrochen und seine ganze Farbenvielfalt sichtbar machen: Rot, Orange, Gelb, Gold und all die feinen Nuancen dazwischen. Genau diese Farben finden wir auf den Blättern des Herbstes wieder.
Es gibt einen Baum, auf den ich mich jedes Jahr freue. Den ganzen Sommer steht er da, grün wie viele andere Bäume auch. Doch im Herbst beginnt er in seiner ganzen Farbenpracht zu strahlen. Und wenn die Sonne scheint und hinter ihm dieser klare, blaue Herbsthimmel liegt, ist es fast, als würde er noch einmal alles zeigen, was an Licht und Farbe in ihm steckt.
Vielleicht ist das auch ein Bild für unser Leben. Der Herbst hat nicht mehr die Frische des Frühlings. Und er hat eine andere Kraft als der Sommer. Weniger unmittelbar vielleicht, aber reifer, vielfältiger und voller Tiefe. Der Herbst zeigt Farben und ist zugleich die Zeit der Früchte.
Was lange gewachsen und gereift ist, darf jetzt sichtbar werden und anderen zugutekommen. Wir sind wie Blätter an einem Baum. Jedes Blatt ist einzigartig. Jedes hat seine eigene Form, seine eigene Farbe und seine eigenen Nuancen. Im Herbst sehen wir auch die Spuren, die das Leben hinterlassen hat. Manche Blätter haben Risse. Andere sind zerknittert oder an den Rändern brüchig geworden. Kein Blatt ist vollkommen.
Und doch verliert es dadurch seine Schönheit nicht. Vielleicht wird gerade jetzt sichtbar, was dieses Blatt einzigartig macht. Seine Farben, seine Formen und seine feinen Nuancen treten hervor. So darf auch das, was Gott über viele Jahre in uns wachsen liess, in vielen Farben zum Ausdruck kommen: unsere Erfahrungen, unsere Gaben, unsere Fähigkeiten, unsere Weisheit, unser Glaube und unsere Liebe.
Aber auch das Unvollkommene gehört zu unserer Geschichte. Gott kann es aufnehmen und in etwas verwandeln, das uns eine neue Tiefe gibt und anderen zum Segen wird. Aber kein Blatt lebt aus sich selbst. Seine Lebenskraft kommt aus der Verbindung mit dem Baum. Auch Jesus braucht ein ähnliches Bild. Er spricht vom Weinstock und von den Reben:
«Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch.»
Johannes 15,4
Unsere Kraft kommt aus der Verbindung mit Christus. So wollen wir das Licht des Sommers mit in den Herbst nehmen und die Farben, die Gott in unser Leben gelegt hat, zum Leuchten bringen...zur Freude und zum Segen unserer Mitmenschen.
Bernhard Wagner
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Matthias Arn
«Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.» (Johannes 15,5)
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